Seit der Einführung von Hartz IV im Januar 2005 haben Empfänger des Arbeitslosengelds II, deren Kinder zur Schule gehen, neben Erwebslosigkeit ein weiteres Problem am Hals. Die Übernahme der Zahlungen von Lernmitteln durch den Staat entfällt. Wo bis Ende 2006 noch eine Übergangsregelung galt, ist es seit knapp anderthalb Jahren so, dass Hartz IV Empfänger die Schulbücher ihrer Kinder selbst zahlen müssen.
Was sich erstmal banal anhört, ist in der Realität ein knallharter Kostenpunkt. Pro Schuljahr müssen mittlerweile für fast jedes Fach Bücher neu angeschafft werden. Ob Mathe, Deutsch oder Erdkunde, damit der Unterricht halbwegs sinnvoll gestaltet werden kann, müssen alle Schüler dieselbe Ausgabe des Schulbuches besitzen. Sonst bringen dem Lehrer Sätze wie “Auf Seite 3, Aufgabe 5″ nicht viel. Die Schulbuchverlage ändern Seitenzahl und Inhaltsstrukur bei jeder Ausgabe, um sicherzustellen, dass die neuen Ausgaben auch gekauft werden.
Hier formen sich also Einsparungen von Seiten der Regierung, Alltag in der Schule und Kalkulation der Verlage zu einem Paket, dessen Rechnung der Erziehungsberechtigte zu zahlen hat. Was schon für Leute mit Anstellung ein Problem ist, wird für Hartz IV – Empfänger noch schwieriger. Sparen lässt sich zwar mit Onlinebörsen für gebrauchte Schulbücher durchaus, das löst aber nicht das Problem der verschiedenen Ausgaben. Somit ist nicht nur der Arbeitssuchende, sondern auch noch sein Kind benachteiligt.
Man kann zwar verstehen, dass auch die Bundesregierung versucht, zu sparen, aber auf diese Art und Weise verwandelt die Reform das Schulwesen immer mehr zu einer 2- Klassen- Gesellschaft.